Standesamt, Kirche oder freie Trauung – welche Art zu heiraten passt zu euch?

Nach ZeitplanPlan B und Missgeschicken heute die Grundsatzfrage, die ganz am Anfang eurer Planung steht: Wie wollt ihr euch eigentlich trauen lassen? Es gibt drei Wege – und bei jedem ein paar Dinge, die euch vorher keiner sagt.

Das Standesamt – Pflichtprogramm mit Wahlmöglichkeiten

Rechtlich verheiratet seid ihr nur durchs Standesamt – aber ihr habt mehr Auswahl, als viele denken: die Trauung im Standesamt eures Wohnorts, in einem anderen Standesamt eurer Wahl oder in einer Außenstelle – also einer besonderen Location, in die der Standesbeamte kommt. Das Heimat-Standesamt ist die günstigste und planungsärmste Variante; die Sonderlocation kostet etwas mehr Aufwand (ihr müsst Standesamt und  Trauort separat anfragen), belohnt euch dafür mit Individualität statt Fließbandgefühl.

Und jetzt der Tipp, den euch kein Standesamt von sich aus verrät – aus vielen Jahren Beobachtung: Nehmt, wenn möglich, den letzten Trautermin des Tages. Dann scharrt kein nächstes Paar vor der Tür mit den Hufen, niemand schiebt euch nach draußen, und ihr bekommt meist einen deutlich entspannteren Standesbeamten dazu. Gerade in den großen Standesämtern, wo zu Stoßzeiten ein Termin auf den nächsten folgt, ist das der Unterschied zwischen Abfertigung und Zeremonie. (Wie so eine kleine Standesamt-Trauung aussehen kann, seht ihr übrigens in dieser echten Hochzeit an der Hollerallee.)

Noch zwei Fakten für die Planung: Anmelden könnt ihr die Eheschließung frühestens sechs Monate vor dem Termin – Wunschtermine lassen sich aber oft vormerken. Und Trauzeugen sind seit 1998 keine Pflicht mehr; ihr dürft aber bis zu zwei pro Person mitbringen, wenn ihr mögt.

Die Kirche – schön, aber das Haus hat Hausrecht

Bei kirchlichen Trauungen kann ich euch ehrlicherweise wenige allgemeingültige Tipps geben – denn vieles hängt am jeweiligen Pfarrer oder Pastor, und die haben in ihrer Kirche das absolute Hoheitsrecht. Manche sind wunderbar kompromissbereit, andere gar nicht. Deshalb: Klärt im Erstgespräch die organisatorischen Dinge, bevor ihr plant – dürfen Blumen gestreut werden? Ist die Dekoration frei wählbar? Und die für mich als Fotografen entscheidende Frage: Darf während der Zeremonie fotografiert und gefilmt werden? Manche erlauben Fotos nur mit starken Einschränkungen oder wollen, dass Szenen hinterher nachgestellt werden – beides keine gute Wahl, denn nachgestellte Ringtausche sehen genauso aus, wie sie klingen. Gut zu wissen außerdem: Kirchliche Trauungen sind normalerweise kostenfrei; in einer fremden Gemeinde können Gebühren für Küster und Organist anfallen.

Die freie Trauung – eure Regeln, eure Worte

Ihr wollt am Strand heiraten, im Wald, auf einem Schiff – und die Zeremonie soll sich nach euch anfühlen statt nach Formular? Dann ist die freie Trauung euer Weg: Ein freier Redner oder freie Theologin gestaltet die Zeremonie komplett nach euren Vorstellungen, ohne Vorgaben. Wen ihr für dieses schöne Amt auswählt, entscheidet ihr allein – und am besten nach Bauchgefühl, denn diese Person erzählt eure Geschichte. Der Hinweis, der dazugehört: Rechtsgültig wird die Ehe nur mit dem Standesbeamten – die freie Trauung ist die Feier, das Standesamt die Unterschrift. Viele Paare erledigen das Formale im kleinen Kreis vorab und feiern die freie Trauung als den großen Moment.

Für alle drei Wege gilt derselbe Grundsatz: Wenn ihr zu viele Kompromisse eingehen müsst – beim Standesbeamten, beim Pfarrer, beim Redner – dann schaut, ob ihr jemand anderen bekommt. Es ist eure Trauung. Die Person, die sie durchführt, sollte sich anfühlen wie ein Verbündeter, nicht wie eine Hürde.

Nächstes Mal: das kleine Hochzeits-Wörterbuch – was First Look, Elopement und Getting Ready bedeuten, und warum eine Photobooth nichts mit einem Fotobuch zu tun hat.

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